Er ist die Nummer 1 in Deutschland, die Nummer 17* der Weltrangliste und der jüngste Spieler der Top 50. Provocateur sprach mit der deutschen Tennishoffnung Alex Zverev über seine größten Siege, seine schlimmsten Niederlagen und das Geheimnis seines Erfolgs.

Tennis ist sein Leben und seine Familie. Schon als Kleinkind stand er auf dem Platz, beide Eltern sind ehemalige professionelle Tennisspieler, sein Bruder ist mit Platz 32 nach ihm der beste deutsche Tennisspieler der Weltrangliste. Er selbst belegt mit gerade einmal 20 Jahren Platz 17* und gilt damit als jüngster Tennisspieler unter den ersten 50 Plätzen. Spätestens seit er im Juni vergangenen Jahres den damaligen Weltranglistendritten, Roger Federer, besiegte, gilt er für viele Experten als die große deutsche Tennishoffnung. Bei den Australian Open im Januar dieses Jahres bezwang er dann beinahe Rafael Nadal, musste sich aber nach einem verlorenen Match Point im fünften Satz geschlagen geben. Gerüchten zufolge könnte nach seinem Sieg bei den BMW Open im Mai jetzt sogar Boris Becker sein Trainer werden. Wir sprachen mit dem Hamburger über Tennis, Emotionen und seine bisher größten Momente.

Respekt, Herr Zverev, Sie gelten derzeit als bester deutscher Tennisspieler und belegen mit gerade einmal 20 Jahren Platz 17* der Weltrangliste. Wie fühlt sich das an?

Fantastisch. Das ist es, was ich immer gewollt habe, und beweist mir, dass man sich mit harter Arbeit auch gute Chancen im Leben erspielen kann.

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Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

So etwas gibt es nicht. Dahinter steckt viel harte Arbeit. Aber es ist durchaus hilfreich, wenn man von seiner Familie und seinem Team immer unterstützt wird. Mein Vater, meine Mutter und mein Bruder waren oder sind immer noch Tennisspieler auf einem absoluten Toplevel und können so mit mir ihre Erfahrungen teilen, die sie im Verlauf ihrer Karriere erlebt haben. Das hilft mir natürlich ungemein, dafür bin ich sehr dankbar.

Wo liegen Ihre Stärken, haben Sie vielleicht einen Lieblingsboden?

Nun ja, ich bin 1,98 Meter groß. Ich denke, darin liegt eine meiner Stärken, weil ich dadurch ganz o.k. aufschlage. Aber im Tennis muss man eben mehr draufhaben als einen guten Aufschlag. Ansonsten habe ich keinen bestimmten Belag, den ich bevorzuge. Ich spiele auf jedem Boden sehr gerne.

Und wo liegen Ihre Schwächen?

Sie erwarten jetzt doch nicht ernsthaft, dass ich Ihnen die verrate, oder? Das würde meinen Gegnern nur helfen, und es ist ohnehin schon schwer genug, die zu besiegen (lacht). Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich an allen Schwächen, die es vielleicht geben mag, sehr intensiv arbeite.

Man sagt, Tennis ist vor allem auch ein Spiel der Nerven. Wie trainieren Sie Ihr mentales Spiel?

Ja, das stimmt, diese Seite des Spiels ist unglaublich wichtig. Mir sagt man nach, dass ich das manchmal auf dem Platz rauslasse. Ich bin eben ein leidenschaftlicher Spieler, manchmal muss ich meine Emotionen rauslassen. Aber jeder Spieler ist da anders.

Trotzdem konnten Sie anscheinend ganz gut die Nerven behalten, als Sie letztes Jahr Roger Federer besiegten.

Dieses Spiel war natürlich ein absolutes Highlight für mich, vor allem auch weil ich als Kind schon so viele Spiele von Roger gesehen hatte. Ihm dann auf dem Platz in Halle gegenüberzustehen, das war schon großartig. Und ihn dann auch noch zu besiegen, noch großartiger! Als würde ein Traum wahr werden. Ich versuchte meine Konzentration bis zum letzten Punkt aufrechtzuerhalten, und plötzlich standen wir am Netz und schüttelten einander die Hände. Weil ich ihn gerade geschlagen hatte! Dieses Match werde ich nie vergessen.

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Unvergesslich bleibt allerdings auch Ihr Match im vergangenen Januar gegen Rafael Nadal bei den Australian Open, das Sie dann trotz Match Point noch im fünften Satz verloren haben.

Ja, das war schon eine ziemliche Enttäuschung, vor allem nachdem ich ja gegen Rafa bereits einen Match Point hatte. Aber so ist Tennis eben. Manche Tage sind einfach besser als andere. Es hat nicht sein sollen. Aber auch wenn es damals eine harte Niederlage für mich war, habe ich trotzdem sehr viel daraus gelernt. Vor allem, wie man mit Spielern umgehen muss, die sich auf diesem absoluten Topniveau bewegen. Das ist schon ein großer Unterschied.

Sie gehören inzwischen selbst zu dieser Riege der internationalen TopSpieler. Das sieht man schon allein daran, dass Sie genau wie Nadal Markenbotschafter von Richard Mille geworden sind. Wie kam es eigentlich dazu?

Als mir mein Manager zum ersten Mal von der Möglichkeit erzählte, fand ich das sofort sehr spannend. Richtig beeindruckt war ich jedoch, als Richard Mille persönlich sich die Zeit nahm, um sich mit mir zu treffen. Er zeigte mir, dass er genauso leidenschaftlich in Bezug auf seine Firma ist wie ich in Bezug auf Tennis. Und auch, dass seine Uhren so unglaublich leicht und bequem zu tragen sind, auch während eines Turniers, das gefiel mir auf Anhieb. Ich bin stolz darauf, Teil der Richard Mille-Familie zu sein.

Wenn Sie sich einen Tennisspieler der letzten 50 Jahre als Gegner aussuchen könnten, gegen wen würden Sie gerne mal spielen?

Hm, das ist schwer zu sagen. Ich bin ja selbst erst 20 Jahre alt und kenne viele Spieler der letzten 50 Jahre gar nicht. Aber da ich in einer Tennisfamilie aufgewachsen bin und mein Vater ebenfalls auf einem professionellen Level spielte, wüsste ich zumindest ein paar: Andre Agassi gehört auf jeden Fall dazu, spannend wäre es bestimmt auch gegen Borg, Connors oder McEnroe. Oder einen alten Hasen wie Rod Laver, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich mit den damaligen Tennisschlägern aus Holz zurechtgekommen wäre (lacht).

Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Wie jeder Tennisspieler möchte ich einmal eines der Grand-Slam-Turniere gewinnen. Das gelang mir bisher nur bei den Junior Australian Open 2014, aber nicht bei den Erwachsenen. Darauf trainieren wir im Moment hin. Ansonsten versuche ich weiterhin hart an mir zu arbeiten, damit ich der bestmögliche Spieler werde, der ich nur sein kann.

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TEXT: Michael Brunnbauer
FOTOS: Alexander Hassenstein, Clive Brunskill, Ryan Pierce, Michael Dodge, Getty for MMP

 

* Stand: 15.05.2017