Passgenau

Bilder halten die schönsten Momente des Lebens fest und hauchen jedem Raum Leben ein. Aber erst durch den richtigen Rahmen wird das Lieblingsbild zu einem besonderen Blickfang, der zur längeren Betrachtung einlädt. PROVOCATEUR sprach mit dem Bilderrahmen-Profi und Frameshore-Gründer Moritz Wohlleb über das traditionelle Handwerk und darüber, warum es sich auch im digitalen Zeitalter noch lohnt, schönen Bilder den passenden Rahmen zu geben.

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Sie sind der Sprössling einer traditionellen Handwerkerfamilie. Wie haben Sie das Geschäft Ihrer Eltern als Kind erlebt und war für Sie schon immer klar, dass Sie auch ins Rahmenbusiness einsteigen möchten?

Moritz Wohlleb: Ich bin mit dem Einrahmen wirklich aufgewachsen und bin meistens nach der Schule direkt in unser Geschäft und die Werkstatt gegangen und habe dort viel mit Bilderrahmen und Werkzeug hantiert. Das war ein sehr spielerischer, ungezwungener Zugang. Ich habe so mit 10 oder 11 Jahren begonnen, mitzuhelfen und habe meinen ersten kompletten eigenen Rahmen mit 14 gemacht!

Mir war aber überhaupt nicht klar, dass ich einmal in dieses Business einsteigen werde! Ich habe nach meinem Studium an der WU Wien verschiedene Sachen ausprobiert. Durch meinen starken Bezug zum Handwerk und zur Kunst hat mich das Thema aber nie ganz losgelassen. Vor allem die neuen Möglichkeiten der Präsentation und des Vertriebs, die sich über die letzten Jahre mit der voranschreitenden Digitalisierung eröffneten, haben mich wieder zurück zu meinen Wurzeln gebracht.

Wie haben Sie die Kunst des Bilderrahmens gelernt und welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen?

Für die Herstellung von Bilderrahmen gibt es in Österreich keinen Lehrberuf. Es ist eine vielfältige Kombination aus Tischlerei, Glaserei, Vergolden und Restauration. Aber eben auch aus Kunstgeschichte und Malerei. Ich habe das alles bei meinem Vater gelernt, der wiederum bei seinem Vater gelernt hat. Mein Ururgroßvater hat 1869 das erste Einrahmungsgeschäft unserer Familie eröffnet. Anders ausgedrückt kann ich also auf fast 150 Jahre Einrahmungserfahrung zurückgreifen.

Grundsätzlich muss man natürlich Interesse am Thema mitbringen, und neben technischem Verständnis und handwerklichem Geschick auch einen Sinn für Ästhetik haben. Was ich in den letzten Jahren gesehen habe – und das finde ich wirklich witzig: Leute, die gut kochen können, haben meistens auch ein gutes Gespür für das Rahmenmachen.

Was fasziniert Sie an diesem Beruf? 

Wenn sich die Leute ein gerahmtes Bild an die Wand hängen, dann ist das oft mit Emotionen behaftet, und unabhängig vom Wert des Bildes immer ein wichtiger Moment. Schließlich soll das gerahmte Bild ja Teil der Einrichtung werden und langfristig in der gewählten Umgebung funktionieren. Dass ich in dieser Situation helfen kann und das Vertrauen unserer KundInnen bekomme, sie bei so einer weitreichenden Entscheidung zu unterstützen, das ehrt mich wirklich und macht mich sehr demütig. Das ist für mich das Wichtigste bei der ganzen Sache. Darüber hinaus hat man immer mit interessanten Menschen zu tun und der starke Bezug zur Kunst gefällt mir naturgemäß auch sehr gut.

Die Kunst des Bildereinrahmens erscheint in Zeiten von digitalen Medien als überholt? Was setzen Sie dem entgegen?

Zu allererst setzen wir dem unsere Website entgegen (lacht). Dort können sich die Leute online einen Rahmen aussuchen und bestellen. Wir zeigen auch ganz viele Aspekte des Einrahmens auf unserer Facebook-Seite und unserem Instagram-Account.

Abstrakt betrachtet geht es meiner Meinung nach darum, den Leuten das Einrahmen wieder näherzubringen und die besonderen Momente der Menschen mit Stilbewusstsein und Ästhetik festzuhalten, sodass, wenn sie täglich daran vorbeigehen, sich an diesen speziellen Moment erinnern.

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Wie wichtig ist es für Sie, dass schöne Bilder einen passenden Rahmen bekommen?

Für mich als Rahmenmacher ist das natürlich besonders wichtig (lacht). Aber im Ernst: Das wichtigste ist, dass die Person, die das Bild hat, glücklich mit der Art und Weise ist, wie ihr Bild an der Wand hängt. Egal ob mit oder ohne Rahmen. Wenn ich dabei helfen kann, freut mich das auf jeden Fall sehr. 

Wie definieren Sie den richtigen Rahmen für das entsprechende Bild?

Es gibt für jedes Bild mehrere mögliche Rahmen die funktionieren. Davon kann sich jeder gerne bei uns auf der Website selbst überzeugen: man kann einfach ein Bild hochladen und alle Rahmen dazu ausprobieren. Erlaubt ist, was gefällt, und ein goldener Rahmen passt wirklich fast immer! 

Wann ist der Rahmen perfekt?

Der Rahmen soll zum Bild hinführen, auf möglichst vielfältige Art und Weise. Und der Rahmen muss dem Bild natürlich Halt geben. Wirklich perfekt ist es, wenn man beim Betrachten des gerahmten Bildes eine gewisse Spannung bemerkt – im positiven Sinn. Wenn also der Rahmen und das Bild eine Beziehung oder Symbiose eingehen. Und dann sollte sich das gerahmte Bild auch gut in die Umgebung einfügen, also z. B. zur Einrichtung passen.

Heutzutage verschwinden vor allem digitale Fotografien gerne einmal im Nirwana. Sehen Sie einen Trend zur Rückbesinnung auf die klassische Präsentation von Fotos und Bilder?

Ja, auf jeden Fall! Jeder von uns hat eine Vielzahl von Fotos auf dem Handy. Man hat sie zwar ständig mit und viele könnte man wahrscheinlich löschen. Einige wirklich gute Bilder sind aber auch immer dabei. Genau für diese speziellen Momente bieten wir den passenden Rahmen und machen aus dem flüchtigen digitalen Bild einen Moment für die Ewigkeit. Die Leute können sich diese Momente an die Wand hängen und sich tagtäglich daran erfreuen, im besten Fall für viele Jahre!

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Welche Rahmen eignen sich für welche Art von Bildern am besten?

Es gibt so viele verschiedene Rahmen. Wir haben unsere aktuelle Kollektion zum Beispiel aus über 1.500 unterschiedlichen Rahmen ausgewählt. Gleichzeitig gibt es natürlich auch bei den Bildern eine unendliche Vielfalt. Somit kann ich auf diese Frage jetzt keine seriöse Antwort geben. Man muss sich immer im Einzelfall anschauen, was am besten passt. Was – wie erwähnt – immer funktioniert ist ein Goldrahmen! Das begann sich im 18. Jahrhundert als Goldstandard (pun intended) durchzusetzen und hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren. 

Wie lange benötigen Sie für die Anfertigung eines Rahmens?

Abhängig von der Rahmengröße dauert es etwa 45 Minuten Nettoarbeitszeit. Dazu kommt nochmal die Zeit für das Beratungsgespräch mit den KundInnen. 

Welche Möglichkeiten gibt es bei der Verglasung des Rahmens? Bieten Sie auch Rahmen mit entspiegeltem Glas an?

Wir verwenden standardmäßig Acrylglas mit 90% UV-Schutz, weil es das insgesamt beste Preis-Leistungsverhältnis für unsere KundInnen bietet. Es ist bruchfest, am leichtesten und verursacht somit die geringsten Versandkosten. Darüber hinaus bieten wir noch entspiegeltes Echtglas mit 70% UV-Schutz an und zusätzlich noch eine Variante mit mit 99% UV-Schutz, die genau so in vielen Museen auf der ganzen Welt verwendet wird.

Sollte ein Bild oder Foto unbedingt mit weißem Rand gerahmt werden (Passpartout) oder geht es auch anders? Haben Sie da eine Faustregel?

Ein weißes Passepartout gibt dem Bild grundsätzlich zusätzliche Weite, das kann sehr vorteilhaft wirken. Andererseits verleihen Einrahmungen ohne Passepartout dem Bild eine Art von Direktheit, die auch viele Menschen anspricht. Gerade bei Postern und Drucken habe ich in den letzten Jahren eine Tendenz in Richtung Montage ohne Passepartout gesehen. 

Was muss ich tun, um bei Ihnen den perfekten Rahmen für mein Bild zu erhalten? 

Besuchen Sie uns einfach! Entweder auf unserer Website www.frameshore.com oder ab Ende Jänner in unserem Showroom in der Kaiserstraße 76 im 7. Bezirk in Wien. Sie können uns auch gerne eine Nachricht mit dem abfotografierten Bild und den Ausmaßen an hello@frameshore.com schreiben. Wir sehen uns das dann an und machen Ihnen individuell einige Vorschläge.

Haben Sie ein gerahmtes Lieblingsbild? Wenn ja, beschreiben Sie es und begründen Sie warum!

Ich hab mittlerweile eine ganze Framewall voller gerahmter Lieblingsbilder! Wenn man einmal damit anfängt, kann man nie mehr wieder aufhören.

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