Gegründet vor 50 Jahren in einer schwäbischen Mühle, stehen die drei Buchstaben AMG heute für die schnellsten schwäbischen Mühlen, die Mercedes-Benz zu bieten hat. Anlässlich des Jubiläums spendiert der Konzern sich zahlreiche Sondereditionen, eine neue Baureihe und ein Hypercar mit über 1.000 PS.

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Wir schreiben das Jahr 1967 – der Vietnamkrieg tobt in vollen Zügen, die Beatles begründen mit ihrem epochalen Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ den Summer of Love und der Film „Das Dschungelbuch“ bricht im Kino sämtliche Zuschauerrekorde. Es ist eine Zeit voller Umbrüche und Paradigmenwechsel. Die Ära Adenauer und Erhard wird in Deutschland von einem unbekannten Mann namens Kurt Georg Kiesinger mehr schlecht als recht verwaltet, das Farbfernsehen wird eingeführt und ein Mann namens Roland Berger verlässt die Boston Consulting Group, um sich in München unter eigenem Namen selbständig zu machen. Auch Hans Werner Aufrecht, nur zweihundert Kilometer entfernt, ist unzufrieden mit seinem Arbeitgeber Mercedes, der überraschend aus dem Motorsport ausgestiegen ist. Also gründet er kurzum mit Kollege Erhard Melcher ein „Ingenieurbüro, Konstruktion und Versuch zur Entwicklung von Rennmotoren“ in einer alten schwäbischen Mühle in seinem Heimatort Großaspach. Aus den ersten Buchstaben der Gründer und dem Firmensitz entsteht das Akronym AMG.

Im Jahr 1971 dann erringt das Unternehmen überraschend mit seinem über 400 PS starken AMG 300 SEL 6.8 beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps den Klassensieg und den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Das Kürzel AMG wird über Nacht bekannt, und im Verlauf der nächsten Jahre bauen die beiden Gründer eine erfolgreiche Tuning-Schmiede für Mercedes Fahrzeuge auf. Die Nachfrage steigt so stark und schnell, dass man im Rahmen einer Vergrößerung 1976 nach
Affalterbach umziehen muss, dem heutigen Firmensitz. 1990 folgt dann der Ritterschlag, es kommt zur ersten offiziellen Kooperation der beiden Unternehmen AMG und Mercedes. Neun Jahre später übernimmt Daimler zunächst 51 Prozent der Anteile, 2005 dann den Rest. Doch erst vier Jahre später erfolgt der eigentliche Paukenschlag: Mit dem SLS Flügeltürer entwickelt AMG zum ersten Mal ein Fahrzeug in kompletter Eigenregie, 2014 kommt mit dem AMG GT sein Nachfolger. Die Nachfrage ist so hoch, dass man das Fahrzeug sukzessive auf insgesamt sieben Modell-Varianten ausbaut: vier Coupés, zwei Roadster und ein Rennwagen. AMG-Chef Tobias Moers spricht in diesem Zusammenhang von einer „strategischen Ausweitung der GT-Familie“.

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Heute stehen die drei Buchstaben – ähnlich wie das M aus München oder das RS aus Ingolstadt – für die absolute Performance-Speerspitze aller Mercedes-Fahrzeuge. Bis auf B- und V-Klasse ist die gesamte Palette der Personenwagenflotte auch als AMG-Variante erhältlich – in allen Buchstaben, die das Mercedes-Alphabet hergibt. Von der kleinen A-Klasse über die wuchtige G-Klasse bis hin zu den großen Limousinen stehen insgesamt über 50 Modelle zur

Auswahl. Wobei man in Affalterbach besonders stolz ist auf das sogenannte „One Man – One Engine“-Prinzip. Dieses besagt – ähnlich wie auch in der Uhrenbranche üblich –, dass jeweils ein bestimmter Mitarbeiter für das Zusammenbauen eines Triebwerks verantwortlich ist. Quasi als Beweis für den Käufer erhält daher auch jeder Motor eine Plakette mit der handschriftlichen Signatur des Monteurs.

Ein Konzept, das offensichtlich überzeugt. Allein im letzten Jahr konnte die Mercedes-Tochtergesellschaft mit 99.235 verkauften Fahrzeugen um 44 Prozent zulegen, über die letzten drei Jahre wurde der Absatz mehr als verdreifacht. Im Jubiläumsjahr 2017 rechnet man daher fest damit, endlich die 100.000 zu knacken. Dafür hat man einiges geplant: Den Anfang machen die 50 Jahre AMG Jubiläumseditionen des GT C, des GT C Roadster sowie der Rennwagenvariante GT3 – alle drei jeweils limitiert auf 500 Fahrzeuge. Im nächsten Jahr könnte dann nach SLS und GT die dritte in Eigenregie entwickelte Baureihe, eine viertürige Hybridlimousine auf Basis des Showcars AMG GT Concept, folgen. Eine Familienkutsche quasi, die dank ihrer 815 PS Gesamtleistung den Sprint auf 100 km/h unter drei Sekunden schaffen soll. Eine offene Kampfansage an Porsches Panamera Turbo S E-Hybrid, Teslas Model S oder auch Ferraris GTC4Lusso.

Noch einmal eine Schippe drauflegen will man mit dem Hypercar Project One X1, das diesen September auf der Frankfurter IAA erstmals präsentiert wird. Ein Superhybrid, der aus einer Kombination von Formel-1-Turbomotor und vier Elektromotoren einen PS-Wert im vierstelligen Bereich erreichen soll – und damit in die Liga eines Bugatti Chiron, La Ferrari, Porsche 918 Spyder oder McLaren P1 vordringt. Insgesamt nur 275 Stück sollen von diesem Fahrzeug gebaut werden, doch trotz eines Preises jenseits der zwei Millionen Euro ist der Wagen nach aktueller Auftragslage schon fast ausverkauft. Das klingt doch schon mal vielversprechend für die nächsten 50 Jahre von AMG.

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TEXT: Michael Brunnbauer
FOTOS: Daimler AG

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